20. Januar 2026

Militärseelsorgerin rund um den Globus: Annegret Wirges geht in den Ruhestand


18 Jahre lang war Annegret Wirges als Militärpfarrerin auf der Welt unterwegs – u.a. in Belgien, Großbritannien, den USA und Afghanistan. Ihren Dienst bei der Bundeswehr begann sie 2006 in Saarlouis. Im vergangenen Jahr kam die Wahl-Saarländerin nach Saarbrücken zurück. Nun geht sie in den Ruhestand

Anfangs war das Saarland als Zwischenstation auf ihrem Lebensweg gedacht. Dann aber fand sie in Saarbrücken eine neue Heimat. Nach 18 Jahren als Militärpfarrerin rund um den Globus ist Annegret Wirges ins Saarland zurückgekehrt. Nun wird sie in den Ruhestand verabschiedet.

Annegret Wirges stammt ursprünglich aus Neuwied am Rhein. Auf die Frage, wie es dazu kam, dass sie Pfarrerin wurde, muss sie erst einmal überlegen. Als Jugendliche war sie als Pfadfinderin beim Verband Christlicher Pfadfinder (VCP) aktiv, der in ihrer Kirchengemeinde die Jugendarbeit trug. Prägend waren für sie vor allem zwei Personen: der junge Pfarrer ihrer Heimatgemeinde, der offen mit den Pfadfindern zusammenarbeitete, und ihr Schulpfarrer auf dem Gymnasium, wo sie in einer AG Schulgottesdienste mitwirkte. Diese Arbeit machte ihr Spaß, aber auf ihr eigenes Leben bezog sie die Religion erst in dem Moment, als sich eine ältere Mitschülerin nach dem Abitur für ein Theologiestudium entschied. Da ging Wirges auf: „Mensch, ich kann ja auch Pfarrerin werden!“ Erst kurz zuvor, im Januar 1975, hatte die Evangelische Kirche im Rheinland den rechtlichen Rahmen dafür geschaffen, dass auch Frauen gleichberechtigt ins Pfarramt gehen durften.

Nach ihrem Abitur 1980 studierte sie folglich Theologie in Wuppertal und Tübingen, sieben Jahre später legte sie ihr Examen ab. Nach dem Vikariat in der Kirchengemeinde Swisttal (Voreifel) und der Ordination fing sie 1991 als Seelsorgerin im Malteserkrankenhaus in Bonn-Duisdorf an. Gerne hätte sie damals eine Auslandspfarrstelle in Frankreich übernommen. In einer Zeit der Pfarrerschwemme war das jedoch nicht so einfach. Eine Kollegin machte sie schließlich 1997 auf eine Stelle als Krankenhausseelsorgerin am Klinikum Saarbrücken aufmerksam. Das sei ja fast schon in Frankreich, meinte die Kollegin. Wirges bewarb sich ohne das Saarland zu kennen – und verliebte sich auf den ersten Blick. „Ich bin praktisch auf halbem Weg nach Frankreich hängengeblieben“, sagt sie rückblickend. Bereut habe sie das nie. Im Gegenteil. Schon nach ihrem Vorstellungsgespräch in Saarbrücken hatte sie in einem Eiscafé an der Wilhelm-Heinrich-Brücke bei strahlendem Wetter das Gefühl angekommen zu sein.

Die Arbeit auf dem Winterberg machte ihr Freude, doch nach zehn Jahren fühlte sie, dass es Zeit war für eine neue berufliche Herausforderung. Es ergab sich, dass sie mit dem ehemaligen Saarlouiser Militärpfarrer ins Gespräch kam und dachte sich: „Warum eigentlich nicht?“. Wirges war es stets wichtig, für andere Menschen da zu sein. Und wo könnte sie das noch intensiver tun, als bei der Bundeswehr? Also bewarb sie sich auf die vakante Stelle in Saarlouis. Leicht habe sie sich die Entscheidung für die Militärseelsorge nicht gemacht, sagt sie rückblickend. Das Arbeitsfeld stand in der Evangelischen Kirche immer wieder in Konflikt mit der protestantischen Friedensethik. „Da sind Menschen, die genauso das Vaterunser beten und der Seelsorge bedürfen wie alle, vielleicht sogar mehr als andere“, war ihr Leitgedanke, ganz bodenständig, wie es ihrer Persönlichkeit entspricht.

Überhaupt kam sie hemdsärmelig bei der Truppe in Saarlouis gut an. Nicht nur in Gottesdiensten und in der Seelsorge. Ihre Leidenschaft für Zweiräder brachte sie in die Arbeit ein, rief Motorradrüstzeiten ins Leben, gestaltete Familienfreizeiten. Viele Beratungsgespräche hat sie auch geführt. Mit dem Beginn der deutschen Beteiligung am Hindukusch kam auch bei manchen Soldaten der Wunsch nach Kriegsdienstverweigerung auf. Überhaupt prägten die Auslandseinsätze der Bundeswehr ihren Dienst in jener Zeit. Als erste weibliche Seelsorgerin nahm sie im Jahr 2009 an einem Einsatz in Afghanistan teil, eine „beruflich sehr befriedigende Zeit“, wie sie findet. Denn in Afghanistan seien die Soldatinnen und Soldaten froh und dankbar gewesen, dass sie da war. „Bei mir war der Dienstgrad egal“, deshalb sei die Militärseelsorge geschätzt worden als Raum mit anderer Atmosphäre. Tolle Gespräche hätten sich dadurch entwickelt.

2013 erhielt sie überraschend einen Anruf aus dem Evangelischen Kirchenamt für die Bundeswehr in Berlin, in dem man ihr die Deutsche Militärpfarrstelle beim NATO-Hauptquartier in Mons/Belgien antrug. Plötzlich bestand für sie unverhofft doch noch die Chance, im französischsprachigen Ausland zu arbeiten. Wirges überlegte nicht lange und sagte zu. „Sehr viel unterwegs“ sei sie in jener Zeit gewesen, denn zu ihrem neuen Pfarramt gehörten auch Bundeswehrstandorte in Frankreich und Großbritannien. Überall wollte sie präsent sein, Gottesdienste feiern und Seelsorge anbieten. Die Motorradexerzitien blieben aber ihr Steckenpferd, „weil man da alleine mit den Soldaten unterwegs sein konnte“.

Wirges hinterließ Spuren, die auch bemerkt wurden. Als 2019 eine erfahrene Seelsorgerin für das Deutsche Militärpfarramt II in den USA gesucht wurde, trat man wieder an sie heran. Ihre Zeit in Texas – zunächst in El Paso am Rio Grande, später in Wichita Falls an der Grenze zu Oklahoma – brachte nochmal neue Herausforderungen mit. Nicht nur war der Umzug des Militärpfarramts zu organisieren, dieser fiel auch in die Corona-Pandemie. Hinzu kam ihr weitläufiger Zuständigkeitsbereich, nämlich „im Grunde alle Standorte westlich des Mississippi“. Mobil sein erlangte für sie und ihren Pfarrhelfer zu dieser Zeit eine neue Dimension. „Wir sind auch schon mit dem Auto zwei Tage unterwegs gewesen zu einem entfernten Standort – pro Weg“, erinnert sich Wirges zurück. Viel Zeit vor Ort blieb da nicht. Trotzdem war die Zeit in Amerika eine prägende.

Als im Januar 2025 nach 18 Jahren ihre befristete Zeit in der Militärseelsorge auslief, war für sie klar, wohin sie für ihre restliche Dienstzeit und den Ruhestand zurückwollte – ins Saarland. Mit dem Saarbrücker Superintendenten Christian Weyer war sie sich sofort einig, die Zustimmung der Landeskirche war Formsache. So konnte Wirges für ihr letztes Jahr im Pfarrdienst in Saarbrücken-West erstmals den Gemeindepfarrdienst kennenlernen. Ein Jahr, das ihr „richtig Freude“ gemacht habe, wie sie betont. Nicht nur, um nach Jahren im Ausland wieder in der Wahl-Heimat anzukommen. Ein „runder Abschluss“ sei es einfach, dort den Talar abzulegen, wo sie als junge Pfarrerin in der Rheinischen Landeskirche begann. Entsprechend zufrieden fällt ihre berufliche Bilanz aus: „Ob ich jemanden zum Glauben angeregt habe – keine Ahnung. Aber ich habe etwas bewegt“, sagt sie, insbesondere im Hinblick auf ihren Dienst beim Militär.

Im Ruhestand will sie sich vor allem Zeit nehmen für Hobbys, die in der letzten Zeit zurückstecken mussten. Mehrere Motorradtouren sind bereits in Planung, unter anderem nach Südfrankreich und ans Nordkap. Auch Fotoapparat und Gitarre möchte sie bald öfter in die Hand nehmen.

 

Info:
Annegret Wirges wird in einem Gottesdienst am Sonntag, 25. Januar, um 10 Uhr im Evangelischen Gemeindezentrum Knappenroth in Saarbrücken-Malstatt (Im Knappenroth 1) entpflichtet. Im Anschluss sind alle Gäste zum Mittags-Imbiss mit gemütlichem Beisammensein eingeladen.

 





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